AKTUELLES / VERANSTALTUNGEN / GESUNDHEITS-TIPPS

Terminservicestellen – ohne große Bedeutung?

Dr. Dietrich Schreyer, Urologe, Amberg

Die neuen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung werden aus Sicht der regionalen Ärzteschaft hierzulande keine große Bedeutung haben.  Der Ärzteverbund Oberpfalz Mitte (ÄVOM) kann angesichts der festgelegten Vierwochenfrist für einen Termin beim Facharzt die Patienten beruhigen. In Akutfällen wird für Patienten in Amberg und im Landkreis eine Minimalwartefrist garantiert, ohne Einschaltung der Servicestelle in Bayreuth.

Ein Ziel der ÄVOM besteht darin, die regionale haus- und fachärztliche Versorgung in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach zu erhalten und zu stärken. Für den Patienten bedeutet dies, einen möglichst kurzen Weg zu einem Haus- und Facharzt zu haben. Gerade im ländlich strukturierten Landkreis Amberg-Sulzbach ist dies für den ÄVOM von größter Bedeutung. Darüber hinaus wird über die enge Vernetzung der ÄVOM-Ärzte versucht, dass ein Patient einen schnellen Termin bei einem weiter behandelnden Facharzt erhält.

Wie der ÄVOM in ihrer Pressemitteilung weiter erläutert, sind bei bestimmten Fachgruppen, etwa bei Augenheilkunde, Orthopädie, Dermatologie oder Gynäkologie, Terminvergaben auch jenseits von vier Wochen teilweise unvermeidlich, soweit es sich um Routineuntersuchungen wie beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen handelt. „Anders sieht es aus, wenn der Hausarzt einen Termin beim Facharzt als vordringlich erachtet. Aufgrund der sehr guten Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten innerhalb des Ärzteverbundes genügt normalerweise ein Anruf durch den Hausarzt oder eine Mitarbeiterin und der Patient erhält einen bevorzugten Termin innerhalb von wenigen Tagen“, versichert der Sprecher des ÄVOM, Dr. Dietrich Schreyer.

Wie Dr. Schreyer weiter erläutert, vermittelt die Terminservicestelle einen Behandlungstermin nur dann, wenn der Versicherte an einen Facharzt überwiesen wurde. Der überweisende Arzt muss auch Angaben zur Dringlichkeit machen. „Die Pflicht zur Vermittlung eines Behandlungstermins innerhalb von vier Wochen gilt nicht bei Routineuntersuchungen und Behandlung von Bagatellerkrankungen, also für verschiebbare Untersuchungen wie beispielsweise Früherkennungsuntersuchungen oder Verlaufskontrollen bei nicht akuten Erkrankungen“, teilt der Ärzteverbund mit. 

Er betont, dass die neuen Terminserviestellen gesetzlich vorgeschrieben sind. Die freie Arztwahl entfällt dabei: der Versicherte hat nämlich keinen Anspruch auf Vermittlung eines Termins bei einem bestimmten Arzt hat. Und: Die Servicestelle vermittelt keine Termine bei Psychotherapeuten, Zahnärzten oder Kieferorthopäden. Auch Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte sind von der Vermittlung ausgenommen. Für die Patienten gibt es in dem neuen Gesetz zumutbare Entfernungen. Notfalls muss die Servicestelle nach einem Behandlungstermin in einem geeigneten aber weiter entfernten Krankenhaus suchen, wobei es in Nordostbayern manche Fachabteilungen an Kliniken gar nicht gibt.

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Gesundheitstag 2015 in Amberg

Hautmodell mit einer Länge von 2,50 Metern und einer Breite von 1,26 Metern. Foto: usc
Dr. Kerstin Gebhard-Schmauser und Dr. Barbara Wünscher

Im Mittelpunkt des Gesund-heitstags im Landratsamt in Amberg stand die Haut – und ein riesiges Modell der Haut.

Die Haut und ihre Erkrankungen waren beim Ärzteverbund Oberpfalz Mitte im Mittelpunkt des Gesundheitstags im Landratsamt in Amberg am Sonntag, 20. September. Dazu gab es ein großes Modell zu sehen, das anschaulich über den anatomischen Aufbau der menschlichen Haut informierte. Ein fünfminütiger Film im eingebauten HD-Fernseher erläuterte Einzelheiten. Zwei niedergelassene Amberger Hautärztinnen standen den Besuchern Rede und Antwort zu allen Fragen bezüglich Hauterkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten.

Das Hautmodell zeigte gesunde Haut in ihren Schichten und Bestandteilen sowie unterschiedliche Veränderungen und Erkrankungen, das heißt die verschiedenen Schichten wie Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut, stellte Muskelschicht und Fettgewebe dar und informierte zur Wachstumsphase des Haars.

Informationen gab es etwa zum Angebot von Hautkrebsscreening, für das gesetzliche Krankenkassen für Versicherte ab 35 Jahren die Kosten übernehmen. Themen auch: Hautalterung, Hauptpflege oder Anti-Aging.

 

Das größte menschliche Organ

Haarwurzel, Haarfollikel, Talgdrüse und Schweißdrüse, Ausführungsgang und Schweiß sind optisch und haptisch wirksam dargestellt. In Verbindung mit Papillarkörper, Lymphgefäß, Nervenfasern, Arteriole, Venüle und Meissner- und Pacini-Körperchen erschließt sich dem Betrachter schlüssig Aufbau der Haut sowie die Funktion der einzelnen Bestandteile. Ergänzt wird das Hautmodell durch die Darstellung von Veränderungen und Krankheitsbildern wie beispielsweise einem Basalzellkarzinom, einem malignem Melanom, einer Zyste, eines infizierten Follikels und einer Warze.

Mit einer Oberfläche von 1,5 bis 1,8 Quadratmetern ist die Haut das größte menschliche Organ. Besonders faszinierend ist dabei auch für Experten der komplexe Aufbau der Haut, wobei jede Schicht unterschiedliche Funktionen übernimmt. Unsere Haut bedeckt den gesamten Körper und schützt ihn vor mechanischen, chemischen und thermischen Schäden sowie vor Austrocknung, Abkühlung und Eindringen von Bakterien. Durch die vielzähligen Hautdrüsen ist die Haut zudem in der Lage Temperatur- und Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren.

 

Direkte Verbindung zur Außenwelt

Darüber hinaus ist die Haut ein komplexes Sinnesorgan, da durch sie Berührungen und Schmerz gespürt werden. Auch als Kommunikationsträger ist sie zu verstehen, da Gefühlsregungen, wie zum Beispiel das Erröten des Gesichtes, durch sie erkennbar werden. Die Haut stellt somit eine direkte Verbindung zur Außenwelt dar.

Viele Hautkrankheiten machen auf sich aufmerksam, weil die Haut an der Stelle anders aussieht als gesunde Haut. Man spricht auch von den sogenannten „Effloreszenzen“. Es gibt viele Ursachen für Hautkrankheiten, die zudem auch zusammenwirken können, um eine Hautkrankheit auszulösen.

So haben viele Menschen eine Veranlagung für Entstehung von Schuppenflechte oder dem atopischen Ekzem (Neurodermitis). Verstärkt werden kann dies aber zum Beispiel durch Stress oder eine andere Infektion, zudem kann sich der Verlauf der Krankheit wiederum durch eine bakterielle oder virale Infektion verschlimmern. Bei vielen Hautkrankheiten weiß man noch nicht über den genauen Entstehungsmechanismus Bescheid, wobei in vielen Fällen Regulationsstörungen des Immunsystems als Ursache gelten.

 

Manches stört allein „kosmetisch“

Genauso breit wie das Spektrum der Hautkrankheiten selbst ist auch das Spektrum der Schweregrade von Hautkrankheiten. Es gibt viele „Hautkrankheiten“, die etwa nur kosmetisch störend, sonst aber völlig harmlos sind (etwa „Alterswarze“). Entzündliche Hautkrankheiten stören oft durch Juckreiz oder Schmerzen. Zudem steigt bei vielen Patienten die psychische Belastung, weil sie durch die Hautkrankheit sehr stigmatisiert werden. Einige Hautkrankheiten, wie der Hautkrebs, können unbehandelt zum Tode führen. Der schwarze Hautkrebs (Malignes Melanom) ist in einigen Fällen auch trotz einer adäquaten Behandlung nicht heilbar. Auch können viele Hautkrankheiten sehr schwerwiegende Therapien nach sich ziehen.

Weitere Themen im Fokus

Prostata-Modell. Fotos: Archiv
Reges Interesse an allen Ständen

Die Prostata war eines der weiteren Schwerpunkte des Amberger Gesundheitstags 2015.

Der Gesundheitstag im Landratsamt Amberg-Sulzbach, den der Ärzteverbund Oberpfalz Mitte gemeinsam mit dem Gesundheitsamt des Landratsamtes veranstaltete, hat sich als feste Größe etabliert. Traditionell findet er am ersten Sonntag nach Schulbeginn, heuer war es der 20. September, von 12 bis 17 Uhr unter der Schirmherrschaft von Landrat Richard Reisinger statt. Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie die Sparkasse Amberg-Sulzbach.

Anschaulich informierte das Haut-Großmodell im König-Ruprecht-Saal zum anatomischen Aufbau der menschlichen Haut. Diese ist mit einer Oberfläche von 1,5 bis 1,8 Quadratmetern das größte menschliche Organ und kann sogar bis zu 15 Kilogramm des Körpergewichtes einnehmen. Besonders faszinierend ist der komplexe Aufbau der Haut, wobei jede Schicht unterschiedliche Funktionen übernimmt. Zu diesem Schwerpunkt berieten Hautärzte des Ärzteverbundes Oberpfalz-Mitte.

Das Prostatagroßmodell war im Freien beim Rosengarten am Stand des Klinikums St. Marien Amberg zu finden. Die Urologie und Strahlentherapie des Klinikums zeigten bildlich gut verständlich Veränderungen der Prostata und gaben Einblicke in die Diagnose und moderne Therapiemöglichkeiten von Erkrankungen der Prostata. Die Selbsthilfegruppe PROCAS stand für weitere Fragestellungen zur Männergesundheit zur Verfügung.

Im Freigelände beim Haupteingang des Landratsamtes bei der Markthalle präsentierte sich das zertifizierte EndoProthetikZentrum Sulzbach-Rosenberg. Informiert wurde rund um Knie- und Hüftgelenkoperationen am St. Anna Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg.

Den Besuchern wurden außerdem zahlreiche kostenlose Tests wie Blutzucker- und Blutdruckmessungen, Hörtests oder Venenuntersuchungen angeboten. Am Stand des Gesundheitsamts erwartete die Besucher eine Bio-Impedanzanalyse, die Bestimmung der Körperzusammensetzung. An rund 50 Infoständen informierten Apotheken, Zahnärzte, Beratungsstellen, Behörden, Krankenkassen, Heime, zahlreiche Selbsthilfegruppen, das Bezirkskrankenhaus Wöllershof und die Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie Amberg über ein breites Themenspektrum rund um Gesundheit und Prävention. Der Kreisfeuerwehrverband Amberg-Sulzbach erläuterte zusammen mit dem Bauamt die Funktionsweise von Rauchmeldern und warb für deren Einsatz in Wohnungen.

Schilddrüsenkrebs bei jüngeren Frauen stark im Ansteigen

Kombinations-Therapie bringt normale Lebenserwartung  

Berlin, Juni 2015 - Die Fälle von bösartigem Schilddrüsenkrebs steigen neuen Studien zufolge in Industrieländern stark an, vor allem bei Frauen. Neben Tumoren der Brust wird sich das Schilddrüsenkarzinom demnach in den nächsten fünf Jahren zu den am schnellsten wachsenden Krebserkrankungen bei jüngeren Frauen entwickeln, erklärt der Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN). Die Erkrankung macht sich zu Beginn meist mit einem Knoten im Bereich der Schilddrüse bemerkbar. Die beste Heilungsrate verspricht die Kombination aus Operation plus Radiojodtherapie. Sie verschafft jüngeren Frauen eine normale Lebenserwartung, wie Langzeitbeobachtungen belegen. Die Radiojodtherapie ist in Deutschland eine Kassenleistung.

Wie ein Autorenteam um die Epidemiologin Hannah Weir in der Fachzeitschrift "Cancer" berichtet, werden in den USA bei Frauen bis zum Jahr 2020 die größten Zuwachsraten bei Lungen-, Brust-, Gebärmutter- und Schilddrüsenkrebs erwartet. Diese Prognose entspricht dem Trend, der sich auch in Deutschland seit einigen Jahren abzeichnet. So wurden 2013 hierzulande 4.200 Frauen registriert, die neu am Schilddrüsenkarzinom erkrankten, im Jahr 2000 waren es 2.700.

Welche Ursachen die Zunahme hat, ist nicht vollständig geklärt. "Zwar gab es einen regionalen und zeitlich begrenzten Anstieg der Erkrankungsraten im Umkreis der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, dies erklärt aber nicht den weltweiten Anstieg", sagt Professor Dr. med. Matthias Schmidt, BDN-Experte und Nuklearmediziner an der Universitätsklinik Köln. "Das mag eher an einer verbesserten Diagnostik liegen, denn der Ultraschall hilft, tumorverdächtige Knoten frühzeitig zu erkennen", so Schmidt.

Klar ist ebenfalls, dass die Kombination aus Operation plus Radiojodtherapie sehr gute Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs eröffnet. Bei diesem Behandlungskonzept wird zunächst die Schilddrüse chirurgisch entfernt. "Ein kleiner Rest von Schilddrüsengewebe verbleibt aber trotz Operation fast immer", berichtet Schmidt. Die nachfolgende Bestrahlung mit radioaktivem Iod beseitigt dann die übrigen Restzellen.

Dafür nehmen die Patienten radioaktives Iod-131 ein, meist in Form einer Kapsel. Weil die Schilddrüse als einziges Organ des menschlichen Körpers die Fähigkeit hat, Iod in ihren Zellen hochkonzentriert anzureichern, lagern sich die radioaktiven Substanzen ausschließlich in diesem Gewebe ab und zerstören es. Andere Organe wie Speicheldrüsen, Schweißdrüsen, Magenschleimhaut, Nieren oder Blase sind lediglich an der Ausscheidung der radioaktiven Partikel beteiligt und erhalten eine nur geringfügige Strahlendosis.

Derart behandelt, dürfen Patienten mit einer normalen Lebenserwartung rechnen - das zeigen aktuelle Daten über einen Beobachtungszeitraum von dreißig Jahren, die am Universitätsklinikum Würzburg gesammelt wurden. Der Krebs kehrt nur bei weniger als fünf Prozent zurück. "Damit erreichen die Patienten eine Lebenserwartung, die mit der gesunder Menschen vergleichbar ist", betont Schmidt. Die Erkrankung macht sich typischerweise mit einer Knotenbildung im Bereich der Schilddrüse bemerkbar.

Die Radiojodtherapie wird seit den 1940er Jahren angewendet, gilt als nebenwirkungsarm und auch in der langjährigen Verlaufsbeobachtung als sicher. In Deutschland existierten im Jahr 2014 etwa 120 Therapieeinrichtungen, in denen etwa 50.000 Behandlungen jährlich durchgeführt wurden. Die Radiojodtherapie ist in Deutschland eine Kassenleistung und wird stationär durchgeführt.  

 

Quelle: 

Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V ( www.bdn-online.de )
(Pressemeldung vom 28.06.2015)

Literaturangaben:

Weir HK, Thompson TD, Soman A, Møller B, Leadbetter S. Cancer. 2015 Jun 1;121(11): 1827-37. doi: 10.1002/cncr.29258. Epub 2015 Feb 3. PMID: 25649671  

Verburg FA, Stokkel MPM, Düren C, Verkooijen RBT, Mäder U, van Isselt JW, Marlowe RJ, Smit JW, Reiners C, Luster M. No survival difference after successful 131I ablation between patients with initially low-risk and high-risk differentiated thyroid cancer. Eur J Nucl Med Mol Imag 2010; 37:276-283. doi 10.1007/s00259-009-1315-6 

Neues zur HPV-Impfung (Schützt vor Gebärmutterhalskrebs)

HPV steht für Human Papilloma Virus, eine Infektionskrankheit, die durch sexuellen Kontakt übertragen werden kann und zur Ausbildung von Genital Warzen führt, oder schlimmstenfalls Gebärmutterhalskrebs verursacht. Einige Typen der HP-Viren sind völlig harmlos, andere Typen verursachen die oben beschriebenen Erkrankungen.

Für viele Erkrankungen gibt es Früherkennungsprogramme, aber nur eine Impfung ist eine echte Vorsorge-Maßnahme. Die Impfung kann 70 % der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindern. Der Gebärmutterhalskrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen im Alter zwischen 15-44 Jahren.

Die Impfung wurde bislang für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren angeboten. Seit Ende 2014 haben sich die Empfehlungen der ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts geändert. Es sollen junge Mädchen am besten zwischen 9 und 14 Jahren geimpft werden und es sind nur noch 2 Impfdosen nötig (ein jüngeres Immunsystem reagiert besser bei einer Impfung). Weiterhin können auch Mädchen bis 17 Jahre geimpft werden (3 Impfdosen nötig).

Die Impfkosten für diese Altersabschnitte werden auch von den Krankenkassen übernommen. Darüber hinaus kann die Impfung ebenfalls noch sinnvoll sein, die Kosten müssen aber nicht zwangsläufig von den Krankenkassen getragen werden. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens. 

Schilddrüse und Kinderwunsch

Anlässlich des 2. Symposiums "Kinderwunsch" am 20. Juni 2015 in Wernberg berichtete die Fachärztin für Nuklearmedizin Dr. Elke Bock über den Zusammenhang zwischen unerfülltem Kinderwunsch und Schilddrüsenerkrankungen der Frau.  

Jeder 3. Bundesbürger ist von einer Schilddrüsenerkrankung betroffen. Etwa 1 - 2 % der Bevölkerung leiden an einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion, 6 - 8 % an einer latenten ("versteckten") Unterfunktion. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Die  Autoimmunthyreoiditis ("Hashimoto-Thyreoiditis", Schilddrüsenunterfunktion, die durch körpereigene Antikörper ausgelöst wird) ist die häufigste Autoimmunerkrankung junger Frauen.  

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Schilddrüsenfunktion, Fruchtbarkeit, Verlauf einer Schwangerschaft, sowie Entwicklung und Gesundheit des Kindes bis in das Erwachsenenalter hinein.  

Vor allem Schilddrüsenunterfunktionen führen zu Einschränkungen der Fruchtbarkeit, aber auch zu einem deutlich erhöhten Risiko einer Fehlgeburt. Ärzte, die auf die Betreuung von Kinderwunsch-Patientinnen spezialisiert sind, berichten, dass bis zu 43 % dieser Frauen an einer beginnenden Schilddrüsenunterfunktion leiden.  

Eine Behandlung der Unterfunktion mit Schilddrüsenhormon kann das Eintreten einer Schwangerschaft erleichtern und die Schwangerschaft stabilisieren.  

Auch die Schilddrüsenüberfunktion beeinträchtigt die Empfängnis, allerdings nicht so häufig wie die Unterfunktion. Frauen mit Schilddrüsenüberfunktion leiden öfter an Zyklusstörungen und haben vor allem deswegen Probleme schwanger zu werden.  

Tritt allerdings eine Schilddrüsenüberfunktion in der Schwangerschaft auf, können sowohl bei der Mutter als auch beim ungeborenen Kind Komplikationen auftreten, wenn sie unbehandelt bleibt. Fehlgeburten, Frühgeburten oder Missbildungen des Kindes treten häufiger auf. Ist eine Schilddrüsenüberfunktion bereits vorher bekannt, so sollte diese unbedingt vor der Schwangerschaftsplanung behoben werden.    

Fazit:
Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder vorausgegangenen Fehlgeburten sollten die Schilddrüsenfunktion unbedingt mit einer Blutuntersuchung überprüfen lassen. Bei rechtzeitiger Entdeckung und Behandlung der Schilddrüsenerkrankung können viele Probleme vermieden werden und manch teure Verfahren zur Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit erübrigen sich.

Individuelle Gesundheitsleistungen – PSA-Test

Erneut wird in der Presse kritisiert, dass Ärzte in Deutschland millionenfach unnütze und riskante Methoden der Früherkennung und Diagnose anbieten würden (dpa-Meldung in der AZ vom 27.5.2015). Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission, Wolf-Dieter Ludwig bezeichnete solche Untersuchungen sogar als „unethisch“.  Zu den kritisierten Früherkennungsmaßnahmen wird  auch der PSA-Test gezählt: eine Blutabnahme zur Bestimmung des prostata-spezifischen Antigens. Dadurch kann Prostatakrebs mitunter in einem Stadium erkannt werden, in dem der Patient noch keine Beschwerden hat und der Tumor bei der Krebsfrüherkennung noch nicht tastbar ist.  Die Ergebnisse des PSA-Screenings werden in dem o.g. Artikel als „niederschmetternd“ bezeichnet. Die Todesraten seien in den untersuchten Gruppen mit und ohne PSA-Früherkennung gleich.

Dieser Behauptung muss von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Urologie widersprochen werden. Eine große europäische Studie hat ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit an Prostatakrebs zu versterben, durch ein PSA-Screening um 20% gesenkt werden kann.

Natürlich muss der Patient durch seinen Haus- oder Facharzt über den Sinn und die Aussagefähigkeit dieser Untersuchung aufgeklärt werden. Nicht jeder erhöhte Wert bedeutet gleich, dass der Patient Prostatakrebs hat.  Und nicht jeder Prostatakrebs muss gleich behandelt werden. Es gibt auch Krebsformen, die außerordentlich langsam wachsen und lediglich überwacht werden müssen. Da die derzeitige Krebsfrüherkennung lediglich eine Tastuntersuchung der Prostata enthält, die nur eine geringe Spezifität hat, wird gerade jungen Patienten eine zusätzliche Untersuchung des PSA-Wertes empfohlen.

Termin beim Facharzt in vier Wochen

  • Zeitnaher Termin soll Anrecht von Patienten werden
  • Sehr gute Zusammenarbeit von Ärzten des ÄVOM
  • Angebliche Überversorgung im ländlichen Bereich

Nach dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung („Versorgungsstärkungs-Gesetz“) sollen die Patienten ein Anrecht darauf haben, innerhalb von 4 Wochen einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen. Dies hat Gesundheitsminister Gröhe nochmals bei einer gesundheitspolitischen Diskussionsrunde am 21.1.2015 in Neumarkt verdeutlicht, bei der auch Mitglieder des Ärzteverbundes Oberpfalz Mitte anwesend waren.  Leider spielt die Dringlichkeit von Terminen in der politischen Diskussion nur eine untergeordnete Rolle.

Für den ÄVOM stellt sich die Situation folgendermaßen dar: bei bestimmten Fachgruppen (z.B. Augenheilkunde, Orthopädie, Gynäkologie) sind Terminvergaben auch jenseits von 4 Wochen teilweise unvermeidlich, soweit es sich um Routineuntersuchungen wie beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen handelt.  Anders sieht es aus, wenn der Hausarzt einen Termin beim Facharzt als vordringlich erachtet. Aufgrund der sehr guten Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten innerhalb des Ärzteverbundes genügt normalerweise ein Anruf durch den Hausarzt oder eine Mitarbeiterin und der Patient erhält einen bevorzugten Termin  innerhalb von wenigen Tagen.

Ein weiteres Thema, auf das Herr Gröhe in Neumarkt angesprochen wurde ist der im neuen Gesetz vorgesehene Abbau der sog. Überversorgung. Danach sollen in Gebieten, in denen angeblich eine Überversorgung an bestimmten Arztgruppen herrscht, freiwerdende Arztsitze aufgekauft und nicht mehr neu besetzt werden.  Auch in unserem Landkreis soll nach Bedarfszahlen, die nicht mehr der Realität entsprechen, bei den meisten Arztgruppen eine Überversorgung vorliegen. Sollte es dazu kommen, dass z.B. altersbedingt frei werdende Praxen nicht mehr neu besetzt werden dürfen, würde dies für unsere Region zu einer eklatanten Verschlechterung der medizinischen  Versorgung führen.

Jahreshauptversammlung

  • Erfolgreicher Gesundheitstag 2014
  • Neuwahl des Vorstandes
  • Bestätigung der Amtsinhaber

Auf der Jahreshauptversammlung des Ärzteverbundes Oberpfalz Mitte hielt der 
1. Vorsitzende Dr. Harald Schmaußer zunächst einen Rückblick auf das Jahr 2014.

Im Vordergrund stand der Gesundheitstag vom 21. September. Dieser wurde wieder gemeinsam vom  Gesundheitsamt und vom Ärzteverbund organisiert. Wie schon in den letzten Jahren wurde ein Organmodell bereitgestellt, diesmal ein Ohrmodell. Die HNO-Ärzte aus Amberg und dem Landkreis informierten die Besucher über häufige Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten. Der Infostand war sehr gut frequentiert.  Für das kommende Jahr hat man sich für ein Hautmodell entschieden. Dr. Schmaußer informierte die Mitglieder über die völlig neu gestaltete Homepage, die kurz vor der Fertigstellung steht.

Wichtigster Tagesordnungspunkt waren die Neuwahlen des Vorstandes. Die zwei Gründungsmitglieder Dr. Pretzlaff und Dr. Ewald, die seit 1999 als Schriftführer bzw.  Kassier tätig waren, legten ihre Posten aus Altersgründen nieder. Dafür wurden gewählt:  die Allgemeinärzte Andreas Pietsch als Schriftführer und Oliver Heisel als Kassier. In ihren Ämtern bestätigt wurden als 1. Vorstand Dr. Harald Schmaußer, als Stellvertreter Dr. Dietrich Schreyer und Dr. Reiner Albrecht sowie als Beisitzer Dr. Elke Bock, Dr. Thomas Hohenstatt, Dr. Dirk Schürfeld, Dr. Armin Rüger und Dr. Günter Bock.

Weitere Themen waren  die Organisation von Fortbildungen und die Öffentlichkeitsarbeit.